Weblog: Neue Freunde

Der Berner Zeitungsblogger werweist: Soll er über Jon Tetzchner schreiben, den Opera-Chef, der aus Freude über die Million heruntergeladenen Webbrowser von Norwegen in die USA schwimmen wollte. Oder soll er aus der Gerüchteküche rapportieren, dass Apple den iTunes-Musikshop am Donnerstag – endlich, endlich – in der Schweiz aufschalten wolle? Nein, beschliesst er. Er bloggt nicht über Jon, den Klamaukplantscher, der bereits aufgegeben hat. Und er kolportiert keine Gerüchte – Apples Juristen sind ihm zu scharf. Er schreibt lieber über sich.

Der Berner Zeitungsblogger sucht nämlich Geschäftspartner. Er treibt sich deshalb im Open Business Club herum – in der Hoffnung, dass dort jemand einen Zeitungsblogger rekrutieren will. Interessenten könnte er an der Startparty am 2. Mai im Du Théâtre treffen. Früher benutzte der Zeitungsblogger fürs netzwerken Plaxo, probierte Ryze und Linked In aus. Im Open Business Club trifft er aber mehr lokale Geschäftemacher.

Und der Zeitungsblogger sucht neue Bekanntschaften. Hey, kennen wir uns nicht irgendwoher?, tippt er. Zugegeben: Das ist plump und eines Zeitungsbloggers nicht würdig, aber zumindest nicht falsch: Jeder und Jede kennt Jede und Jeden – über höchstens sechs Andere. Das hat Stanley Milgram in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts herausgefunden und die Columbia University nun fürs Internet bestätigt. Der Zeitungsblogger will also die Freunde seiner Freunde kennenlernen. Das sollte einfach gehen mit sozialen Netzwerken wie Friendster, Meine Freunde oder mit jenen der Internetgiganten: Yahoo 360° oder Orkut von Google. Bloss: Bei ersteren findet er keine seiner Freunde. Und bei letzteren kann nur teilnehmen, wer eine Einladung hat. Der Zeitungsblogger hat keine. Egal, denn eigentlich vertraut er seine persönlichen Daten weder gerne Google noch Yahoo an. Er will sie selbst kontrollieren. Gespannt verfolgt er deshalb das Projekt Friend of a Friend. Mit dem FOAF-a-Matic hat er sein Profil generiert und auf seine eigene Website kopiert. Und nun hofft er auf viele Besucher. Als die ersten kommen, wird er plötzlich ganz übermütig: Stehe der Zähler seiner privaten Website, deren Adresse er vorsichtshalber verschweigt, am Samstag auf 1000, tippt er, ja, dann schwimme er quer durch den Murtensee – und zwar richtig, lieber Jon Klamaukplanscher.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 27. April 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Der schnellste Weg

Heute konzertiert Variaton im Mattenhof zu Gümligen. Wie aber komme ich von der Matte dort hin, fragte ich mich? Glücklicherweise habe ich einen Routenplaner. Und der hat den schnellsten Weg nach Gümligen auch prompt ausgespuckt. Ich habe daraufhin ein Mobility-Auto reserviert und bin losgefahren. Irgend etwas ist aber schief gelaufen. Mein Miniauftritt am Konzert dürfte sich etwas verspäten. Lieber Variaton-Vorstand, richtet dem Publikum schon mal einen herzlichen Gruss von mir aus – aus dem Rank auf der Mattentreppe…

Der schnellste Weg nach Gümligen

Weblog: Kopieren und einfgen

Zugegeben: Manchmal reizt es ihn schon. Ab und zu zügelte der Berner Zeitungsblogger gerne einige Texte, Bilder oder Töne von Webseiten ab. Doch er weiss: Damit verletzte er das Urheberrecht der Autoren, Fotografen, Maler, Interpreten – oder derer Verlage. Er weiss: Bevor er fremder Leute Texte, Bilder oder Musik veröffentlicht, muss er um Erlaubnis bitten. Das ist ihm meist aber zu umständlich. Zudem müsste er oft ein Zweithonorar bezahlen. Und dazu fehlt im das Flüssige.

Doch dann lernt der Zeitungsblogger auf einer Surftour Musiker kennen, die auf das Kopiergeschütz der Industrie pfeifen. Er trifft Schreiberlinge, die gelesen werden wollen, und Fotografen, die ihre Bilder gerne zur Schau stellen. Einige wollen dafür namentlich genannt werden. Einige verbieten Änderungen an den Werken. Einige geben diese nur her, wenn der Zeitungsblogger daraus keinen Profit schlägt. Was die Urheber erlauben, steht in den Lizenzen. Damit nicht alle eine eigene aufsetzen müssen, hat die Organisation Creative Commons Standardlizenzen erarbeitet. Wer immer was auch immer veröffentlicht: Im Modulkasten von Creative Commons befinden sich die passenden Lizenzen – nun auch angepasst auf unser Recht: Die Juristen von Openlaw haben sie eingeschweizert. Am Freitag um 20 Uhr stellen sie ihr Werk im Kornhausforum Bern vor. Anschliessend spielen Musiker vom Berner Netlabel Realaudio.ch – solche, die Fans lieber mit Sound erfreuen als mit Kopierschützen ärgern.

Will der Zeitungsblogger wissen, wie Creative-Commons in Bern tönt, lauscht er auch den Tüftlern auf Starfrosch. Sucht er Bilder, stöbert er auf Openphoto. Fahndet er nach sonst etwas, wirft er die Suchmaschinen von Creative Commons oder Yahoo an. Je mehr er stöbert, desto überzeugter ist er: Die Lizenzen sind wirklich praktisch. Dank ihnen muss der Berner Zeitungsblogger nicht mehr lange nachfragen. Er schaut einfach nach. Und dann zügelt er den Text, das Foto oder den Ton ab – guten Mutes und mit reiner Weste.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 20. April 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Weblog: Ein gescheites Buch

Der Berner Zeitungsblogger liest ein gescheites Buch. Doch er versteht nur Bahnhof. Und wie immer, wenn er Bahnhof versteht, setzt er sich an den Rechner. «Define:», tippt er ins Suchfeld von Google und ohne Leerschlag gleich dahinter das Wort, bei dem er nur Bahnhof versteht. Und schon eilt ihm die Suchmaschine mit einer ganzen Definitionsliste zu Hilfe – neu in deutscher Sprache. Zuoberst steht der Artikel aus der Wikipedia. Apropos: Die Enzyklopädie, an der alle mitschreiben können, gibts nun auch auf DVD. Das ist praktisch für alle, die nicht permanent am Internet hängen – und mit rund 15 Franken viel günstiger als die kommerziellen Pendants. Ein Schnäppchen, dachte sich nicht nur der Zeitungsblogger: Kaum hatten die Verkäufer die Silberscheiben drapiert, waren diese bereits verkauft. Mitte Monat soll es Nachschub geben. Und wer entsprechend ausgerüstet ist, kann sich die Wikipedia auch selbst auf eine DVD brennen.

Der Zeitungsblogger schmökert gerne in Nachschlagewerken. Meist liest er in der Wikipedia und schreibt bei Gelegenheit daran weiter. Ab und zu schaut er bei der Online-Version von Microsofts Encarta Enzyklopädie vorbei, bei Xipolis, wo mitten in der grossen – weitgehend kostenpflichtigen – Bibliothek auch der Brockhaus steht, oder bei der Encyclopaedia Britannica. Für Fragen zur Geschichte hingegen schlägt er das Historische Lexikon der Schweiz auf, an dem seit Jahren einige Historiker werkeln, und für Lokales Digibern. Will er wissen, was man früher über ein Stichwort wusste, stöbert er in eingescannten Standardwerken wie Meyers Konversationslexikon von 1888 und der englischsprachigen Encyclopædia Britannica von 1911. Und er freut sich ab den detaillierten – um nicht zu schreiben: epischen – Artikeln der guten alten Briten.

Manchmal ringt auch der Zeitungsblogger nach Worten. Weiss er nicht, wie er eines schreiben muss, guckt er online im Duden nach. Fahndet er nach Redewendungen, Synonymen oder Übersetzungen, konsultiert er den Wiktionary. Droht er an einer fremden Sprache zu scheitern, holt er den Babelfish zu Hilfe. Da selbst ein Zeitungsblogger nicht pausenlos online ist, hat er sich zudem das kleine Programm J-Dictionary herunter geladen: Es leistet ihm als Englisch-Deutsch-Diktionär und als englisches Wörterbuch gute Dienste. «Und dann gibt es noch…», will der Berner Zeitungsblogger tippen. Doch dann hält er inne. Denn ungelesen liegt es immer noch vor ihm: das gescheite Buch.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 6. April 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Weblog: Betty schreibt, Stefan jodelt und Heinrich blamiert sich

April, April! Betty Bossi ist also doch nicht zu einer Signierstunde angetreten – und kocht ihr Süppchen weiterhin vorab in der Fantasie gutgläubiger Rezeptenachkocherinnen. April, April! Stefan Raab jodelt doch nicht am Eidgenössischen – und die Organisatoren des Jodlerfestes, die die Scherzmeldung ausgeheckt haben, bezahlen inskünftig wieder für Werbung. April, April! Musikplayer zum Implantieren in Zähne existieren ebenso wenig wie ein iCopulator zum Verbinden zweier iPods zwecks Musiktausch oder ein DVD-Player, der sich einfach zum Rekorder umbauen lässt.

April, April! Jetzt geht der Berner Zeitungsblogger der Scherzerei auf den Grund. Veräppelt werde seit dem 16. Jahrhundert, liest er in der Wikipedia, und zwar vorab in westeuropäischen Ländern und Amerika, nicht aber in Spanien, wo man am 28. Dezember, dem Día de los Santos Inocentes, zu scherzen pflege und wo deshalb anno 1978 die neue Verfassung statt am 28. dann doch erst am 29. in Kraft gesetzt worden sei. Wie die Scherzerei entstanden ist, darauf findet der Zeitungsbloggger keine klare Antwort: War die Kalenderreform der Grund, mit der König Karl IX. aus Frankreich anno 1564 den 1. April auf den 1. Januar verlegte? Wer am 1. April Neujahr feierte, wurde verspottet. Oder war es die vermeindliche unmoralische Einladung einer Sechzehnjährigen an Heinrich IV.? Der französische König fand sich damals – statt in trauter Zweisamkeit mit Lolita – vor dem gesamten Hofstaat inklusive Gattin wieder – an einem Narrenball.

April, April! Der Zeitungsblogger kramt im Fundus des Scherzmuseums. Dort steht die BBC-Meldung von 1957 über die – nach dem milden Winter – gute Schweizer Spaghetti-Ernte. Ihm wird klar: Briten haben wirklich keinen Schimmer von Kulinarischem. Hätten sie auch geglaubt, dass Teigwaren in Italien wüchsen und von Umbertos Frau geerntet würden – von Betty Bossi?

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 6. April 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Wolfowitz

Wolfo-Witz auf Blick Online

Im Osten ist Ringier längst präsent. Auch in Deutschland sucht der Verlag neue Büros. Vorallem aber will Ringier den asiatischen Markt aufmischen. Einen Anfang macht heute Blick Online. Die Internetplattform geht dabei mit einem spannenden Sprachenmix ganz neue Wege: Offenbar richtet sich der welt(bank)politische Inhalt bereits an ein asiatisches Publikum. In den Inseraten hingegen wird – wohl ganz im Sinne der Weltbank nach der Wolfowitz’schen Reform – in bestem Denglisch geworben: für Dienstleistungen aus Prag. Die Meldung über den Herzinfarkt des Papstes hingegen ist wieder in lateinischen Lettern – kein Wunder: In Asien gibts ja auch kaum Katholiken.

Nun gut: Vielleicht beliebten anlässlich des 1. April auch nur die Ringier-Techniker zu scherzen – unter anderem mit diesem Wolfo-Witz.