Weblog: Eine Nacht in der Blogosphre

Die Kollegin schüttelt den Kopf. «Du triffst dich mit Leuten, die du gar nicht kennst?», fragt sie ungläubig. Schnippisch doppelt sie nach: «Du triffst dich mit diesen Internet-Exhibitionisten?»

Der Berner Zeitungsblogger lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Eben erst hat er sich zu ihr gesetzt und von seinen neuen Bekannten zu erzählen begonnen, die das Restaurant kurz zuvor verlassen hatten. Irgendwie habe er sie schon gekannt, kontert er – aus den Weblogs. «Webwas?», fragt die Kollegin. Weblogs oder kurz Blogs seien Internet-Notizbücher, doziert der Zeitungsblogger. Darin veröffentlichten Blogger meist persönliche und kommentierende Texte. Angenommen er publiziere einen Artikel – was übrigens kaum schwieriger sei als eine E-Mail zu verschicken –, erscheine dieser zuoberst auf seiner Website. Leserinnen und Leser könnten Kommentare abgeben. Und wenn ein anderer Blogger den Artikel zitiere, erscheine bei ihm ein Hinweis darauf. So entstehe ein dichtes Geflecht aus Beiträgen, Bemerkungen, Beziehungen: die Blogosphäre.

Die Kollegin gähnt. Der Zeitungsblogger referiert über persönliche und politische Blogs, streicht deren Bedeutung als Gegenöffentlichkeit und für die freie Meinungsäusserung unter autoritären Regimes hervor.

Die Kollegin schaut auf die Uhr. Es sei einfach, ein Weblog zu eröffnen, sagt der Zeitungsblogger, dazu melde man sich bei einem Anbieter an oder miete ein Plätzchen auf einem Server, wo man die Software installiere. Das habe sogar er selbst geschafft.

Die Kollegin bezahlt. Wer im Netz etwas auf sich halte, schreibe ein Weblog, sagt der Zeitungsblogger. Es sei spannend gewesen, die Leute persönlich zu treffen – rund 20 seien zum Treffen gekommen, das Blog.ch mitorganisiert hat: Andreas, der viel von Technischem, Urs, der viel von Rechtlichem und Kus, der viel von Musikalischem versteht. Der Fahrradblogger sei – wen wunderts – per Velo nach Bern pedalt; der Zugsingenieur auch. Der Permanente Tourist habe hier Halt gemacht. Auch Une Fille du Limmatquai sei eingetrudelt, irgendeinisch auch Irgendeinisch… Der Zeitungsblogger schnappt nach Luft. Es werde Zeit, unterbricht die Kollegin, steht auf und geht.

Das war am Wochenende. Heute bloggt auch sie.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 1. Juni 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

10 Gedanken zu „Weblog: Eine Nacht in der Blogosphre“

  1. Danke für den Hinweis, Christian. Und sorry an Matthias. Ich habe den Fehler korrigiert. Und bei einem nächsten Treffen geht ein Bier auf meine Rechnung…

  2. Gratuliere, Kus hat gut aufgepasst. Ab und zu gibts kleine Unterschiede zwischen der Textversion aus der BZ, auf Espace.ch und Borniert.com. Auf Espace.ch muss sich der Berner Zeitungsblogger etwa jeweils Weblinkschreiber nennen. Und wenn er jeweils seinen Namen durch dieses Pseudonym ersetzt, bügelt er auch noch gleich den einen oder anderen Fehler oder die eine oder andere durch den beschränkten Platz bedingte Unschönheit aus. Auf Borniert.com steht dann die allerschönste Endfassung. 😉

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