Weblog: Der falsche Link

Sie sieht fast aus wie die richtige. Die Website unter www.gatt.org ist aber bloss eine Parodie, geschaffen von der Aktivistengruppe Yes Men. Der offizielle Auftritt der Welthandelsorganisation befindet sich unter www.wto.org. Einige haben die feinen Unterschiede zwischen den beiden Sites nicht entdeckt – und die vermeintlichen WTO-Vertreter zu Konferenzen und Interviews geladen. Das dokumentieren drei Filmer in «The Yes Men», und die Aktivisten selbst unter www.theyesmen.org. Dort wird klar: Der WTO-Coup war nicht der letzte Streich, und auch nicht der erste: Die Yes Men hatten auf www.gwbush.com bereits Wahlkampf gegen George W. Bush geführt. Und jüngst haben sie auf www.dowethics.com im Namen von Dow Chemical die Verantwortung für den Unfall im indischen Bhopal übernommen.

Mancher Link führt nicht dorthin, wo er hinzuführen scheint. Das weiss fast jedes Kind, das weiss fast jeder Legastheniker – ihnen offenbart das Web oft düstere Seiten. Doch nicht nur ihnen: Wie etwa findet man die Website der Regierung der USA? Man tippt www.whitehouse.org – und landet auf einer Satiresite. Auch bei www.whitehouse.net handelt es sich um eine Parodie. Wer www.whitehouse.info eingibt, landet beim Immobilienhändler, bei www.whitehouse.de auch. Wer www.whitehouse.com tippt, findet sich auf einer Platzhalterseite wieder, auf der dereinst «something big» zu liegen kommen werde. Unter dieser Adresse hatten sich bis vor kurzem noch nackte Frauen geräkelt. Nachdem sie im Parlament für rote Köpfe und ein neues Gesetz gesorgt hatten, sind sie nun abgezogen worden. Ach ja, die offizielle Site… Sie steht unter www.whitehouse.gov.

Sie sah aus wie die richtige. Hätte John Duncan gewusst, wie man nachguckt, wer hinter einer Website steckt – er hätte sich diese Peinlichkeit ersparen können. Er hätte bloss im Verzeichnis von Internic nachschlagen müssen. Dann hätte er sich damals an der Plenarsitzung kaum nach den Konsequenzen der Auflösung der WTO erkundigt. Dann hätte er gewusst, wer hinter der Meldung steckte: Es waren wieder die Yes Men.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 2. Februar 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Die Neue

Es war keine einfache Entscheidung. Doch es gab keinen anderen Ausweg. Meine gute alte Website ist in die Jahre gekommen. Sie sieht nicht nur altmodisch aus. Viel schlimmer: Sie plaudert nur noch aus der guten alten Zeit. Was in den vergangenen Jahren passiert ist, scheint sie nicht zu kümmern. Sie scheint nicht einmal davon Notiz zu nehmen.

Das passt mir nicht. Einige Male habe ich versucht sie zu ändern. Sie aber war offensichtlich zu wenig flexibel. Ich vermute gar: Sie wollte sich gar nicht ändern lassen. Und so habe ich mich schliesslich schweren Herzens dazu entschlossen, mir eine Neue zuzulegen. Dynamisch soll sie sein, die Neue, immer am Puls der Zeit. Sie soll mich bei meinen Projekten und auf meinen Reisen begleiten. Sie soll unseren Gästen zuhören; sie soll Kommentare, Lob und Kritik an mich weiterleiten. Und ab und zu an einem gemütlichen Abend soll sie mir die gemeinsamen Erlebnisse wieder in Erinnerung rufen. Ob wir zwei harmonieren, wird sich zeigen. Ich jedenfalls gebe mir dieses Mal wirklich Mühe. Im Namen von uns beiden: Herzlich willkommen auf borniert.com.