Die Rckfhrung (Teil I)

Die „Rückführung“ könne beginnen. Diese Meldung entdeckte ich gestern Abend kurz vor Verlassen des Büros auf der Notseite des Matte-Leistes. (Ein grosses Merci übrigens an Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach für die Fernbetreuung der Notseite, der ausführlichsten Informationsquelle während der Überschwemmung.) Zuerst habe ich ja etwas geschmunzelt über den Begriff „Rückführung“, wie er in der Polizeimeldung stand. Doch ich sollte eines besseren belehrt werden.

Doch der Reihe nach: Ich wuchtete den Rucksack auf den Rücken – zufälligerweise hatte ich am Morgen vor der Evakuation meine schmutzigen Kleider mitgenommen, um sie im offenbar einzigen zentralen Selbst-Waschsalon beim Café Kairo zu waschen – und machte mich auf den Weg. Unten am Läuferplatz angekommen, erledigten zwei Polizisten die Formalitäten und eine psychologische Betreuerin versuchte mich in ein Gespräch über die Belastungen eines Lebens ohne Strom, fliessendes Wasser und Gas zu verwickeln.

Und dann wurde ich tatsächlich zurück geführt. Nein, nicht von einem Geistheiler oder so, sondern von einem Polizisten. Während wir an zerborstenen Schaufenstern und Schutthaufen vorbei durch eine gespenstisch ausgestorbene Matte wandelten, erzählte er mir, dass derzeit viele Leute kämen, die in der Matte nichts zu suchen hätten – vorwiegend Gaffer und Katastrophentouristen, aber nicht nur: Ohne die Polizeipräsenz und die Begleitung könnte es zu Plünderungen kommen, sagte der Polizist. So gut bewacht war meine Wohnung noch nie.

Der Eingangsbereich des Hauses war entwässert; der ehemals vollständig gefüllte Keller bis zur viert untersten Treppenstufe ausgepumpt. Ich stellte den Rucksack ab, bedankte mich beim Polizisten. Dieser wollte aber nicht gehen. Er müsse mich wieder aus dem Sperrgebiet begleiten, sagte er. Die Liegenschaftsverwaltung hätte die Wohnung noch nicht abgenommen, was die Polizisten auf dem Läuferplatz offenbar nicht gewusst haben. Und so schulterte ich wieder meinen Rucksack und kehrte zurück in mein Exil am Fusse des Frienisbergs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.