Weblog: 20 Leute, 20 Pix

Das Handy surrt. Ob er wisse, was Pixmix sei, fragt Jacqueline. Doch, das wisse er, sagt der Berner Zeitungsblogger: ein Bilderabend in der Dampfzentrale. Genau, sagt Jacqueline, 20 Leute zeigten je 20 Sekunden lang 20 Bilder. Und das täten sie – übrigens bereits zum fünften Mal – ab 20.20 Uhr am Mittwoch, dem 21. September. Da weise er gerne darauf hin, sagt der Zeitungsblogger. Nein, kontert Jacqueline. Sie möchte dann seine Bilder sehen. Der Zeitungsblogger ist überrumpelt. Er müsse sich erstmals durch seine Agenda klicken, wiegelt er ab, und verspricht dann irgendwann zurückzurufen. Er klickt und sieht: Am Mittwoch ist er auf dem Segelschiff, nicht in der «Dampfere».

Leider, beschert der Berner Zeitungsblogger Jacqueline, leider könne er nicht kommen. Und er fügt versöhnlich hinzu: Er wäre gerne mit dabei gewesen. In diesem Fall, sagt Jacqueline, solle er doch einmal mit ihrem Hozzy zusammen sitzen. Und so sitzen die beiden. Hozzy erzählt von den vier bisherigen Bilderabenden. Ganz unterschiedliche Leute seien jeweils gekommen. Einige hätten die Runde mit Schnappschüssen und Ferienerlebnissen beglückt. Andere hätten ihre Kunstwerke präsentiert. Einige hätten spektakuläre Landschaften gezeigt, andere das alltägliche Stadtleben dokumentiert. Einer habe aus dem Zoo berichtet. Und einer habe gezeichnet.

Dann kommt Hozzy zur Sache: Ob er denn am übernächsten Pixmix am 19. Oktober dabei sei, fragt er den Zeitungsblogger. Auch dann gehe es leider nicht, sagt dieser. Doch Hozzy lässt nicht locker. Am 23. November? Der Zeitungsblogger schüttelt den Kopf. Und am überüberübernächsten am 21. Dezember? In der Agenda klafft eine Lücke. Nun gut, er komme mit seinen Bildern, verspricht der Zeitungsblogger etwas voreilig.

20 Bilder à 20 Sekunden sind 400 Sekunden, geteilt durch 60 ergibt 6.6667 Minuten, rechnet er im Büro. Und er zermartert sich den Kopf: Was soll er zeigen, am Pixmix so kurz vor Weihnachten? Soll er Screenshots machen? Soll er seine Leserinnen und Leser um Bilder bitten? Und was soll er dazu erzählen?

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 21. September 2005 in der BZ veröffentlicht und steht auch auf Espace.ch. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Herzliche Gratulation, "Echo"

Ab dem Dienstag passt das „Echo der Zeit“ in die Hosentasche. Dann können die Beiträge des ältesten Nachrichtenmagazins des Schweizer Radios als Podcast herunter geladen werden, wie auf der DRS-Website zu lesen ist. Super, so verpasse ich die Sendung nicht mehr. Und so muss ich mich nicht mehr mit meinen Realplayer-Linux-Problemen herumschlagen. Herzliche Gratulation, liebes „Echo“ – zu diesen Neuerungen und zu deinem sechzigsten Geburtstag.

Nachlese

Was in der letzten Zeit auch noch war:

Radio Extra Bern berichtete darüber, wie Kinder vor ungeeigneten Internet-Inhalten geschützt werden können – und bat mich um einige Tipps.

„Nur zum Spielen viel zu schade“ schrieb ich über die „hübsche Kleine“. Der Artikel zur Markteinführung der Playstation Portable ist am 29. August in der Berner Zeitung erschienen. Online ist er leider nicht zugänglich.

Das Kurzinterview mit Roger Frei, dem Geschäftsleiter von Sony Computer Entertainment Schweiz, zum 10-jährigen Jubiläum der Playstation ist am Montag, 12. September, in der BZ erschienen. Auch er ist online nicht verfügbar.

Die Sehenswrdigkeit

Jüngst in Freiburg im Breisgau: Der Zug fährt erst in einer Stunde – Zeit für einen kurzen Rundgang. Doch oh weh: Die lieben Freiburger scheinen Meister der Falschschreibung zu sein. Ein halbstündiger Streifzug vom Bahnhof zur Innenstadt und zurück:

Tea Room

Liebe Serviceangestellte, macht die Strichlein auf eurem Blöcklein, wenn Gäste mehr als eine Tasse Tee bestellen. Auf dem Schild hingegen braucht’s keines.

Weinstube

Ein schmuckes Schild hast du montiert, lieber Wirt. Das sieht ganz historisch aus. Goethe soll geprotzt haben, dass er für jedes Wort mehrere Schreibweisen kenne. Deine aber dürfte früher auch früher nicht korrekt gewesen sein…

Eddy

Ich weiss, lieber Eddy, du hast einen englischsprachigen Namen. Aber da du in deutscher Sprache für deine Schneidereien wirbst, schneidest du das Strichlein besser weg.

Weinladen

Nach zwei, drei Gläschen, lieber Weinhändler, dürfte das kaum noch jemandem auffallen.

Seifenladen

Dieses Strichlein dürftest du wegwischen, lieber Seifenverkäufer. Bei „das“ braucht es das nämlich nicht. Und nein, mit der aktuellen Rechtschreibereform hat das nichts zu tun.

Mac Donald's

Und woher kommt die Misere? Sie stammt wohl von ennet dem Teich, wo das Apostroph tatsächlich zum Abtrennen des Genitiv-S gebraucht wird. Aber nicht alles, was von dort kommt, muss hierzulande auch funktionieren.

Buchladen

Liebe Serviceangestellte, lieber Wirt, lieber Eddy, lieber Weinhändler, solltet ihr irgendwann mal unsicher sein, macht es doch wie euer Nachbar, der Buchhändler…

Apropos: Wer’s genau wissen will, schaut im Duden nach. Und wer noch nicht genug hat, wirft einen Blick in die Wikipedia.

Weblog: Die Retourkutsche

Irgend etwas ist dazwischen gekommen. Vielleicht hat damals jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen – gerade, als der Berner Zeitungsblogger dem Banknachbarn ins Wort fallen wollte. Eine geschlagene Viertelstunde lang hatte dieser zuvor über Google referiert. Er hatte die «schnellste Suchmaschine» gepriesen, den «effizentesten E-Mail-Dienst», den «coolsten Weltatlas». Wie er die Firma kenne, werde auch der neue Talk-Dienst genial sein. Der Zeitungsblogger liess den Superlativ-Hagel vorbeiziehen. Dann gedachte er zu kontern.

Besonders innovativ sei die neue Software Google Talk nicht, hätte der Zeitungsblogger dem Banknachbarn entgegengehalten. Telefonieren und Sofortmitteilungen verschicken, das könne er auch mit den Programmen Skype und Gizmo. Versöhnlich hätte er hinzugefügt, dass Google wenigstens auf freie Standards setze – anders als Skype. Dann aber hätte er zum Rundumschlag angesetzt: Wer mit Google talken wolle, müsse mit Google e-mailen. Und das widerstrebe ihm. Er vertraue ungern alles einer Firma an, so gut ihre Dienste auch sein mögen. Vor Jahren habe die Firma das Usenet-Archiv gekauft, später die Bildsoftware Picasa und einen Weblog-Anbieter. Ein Google-Mitarbeiter kriege mit Orkut von den Nutzern private Daten zugesteckt. Und Google raffe in Bibliotheken Wissen zusammen. Google baue an einem Wissensimperium, hätte sich der Zeitungsblogger in Rage geredet. Das lasse selbst Microsoft-Chef Steve Ballmer erbeben: Als wieder einer der seinen zu Google gewechselt habe, habe er deftig geflucht und dem Büroinventar das Fliegen beigebracht. Das alles hätte er in einem Wortschwall gesagt. Und dann hätte er angefügt: Fürs Verschicken von Sofortnachrichten ziehe er die Programme Gaim, Miranda oder Sim vor.

Aber eben: Irgend etwas ist damals dazwischen gekommen. Vielleicht hat jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen. Der Zeitungsblogger hat jedenfalls nichts gesagt. Dafür, lieber Banknachbar, hast du es jetzt schwarz auf weiss.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 7. September 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.