Weblog: Einfach wikiwiki

Herzliche Gratulation, liebe deutschsprachige Wikipedia, herzliche Gratulation zum 200 000. Artikel. Wie schnell du, der deutschsprachige Ableger der Online-Enzyklopädie, gewachsen bist… Ich erinnere mich noch genau: Bis du 100 000 Artikel gross warst, dauerte es satte dreieinhalb Jahre. Doch dann kam der Wachstumsschub: In nur acht Monaten bist du um weitere 100 000 Artikel gewachsen. Reihten sich alle Wikipedias der Grösse nach ein, stündest du, die deutschsprachige, hinter der englisch-, aber vor der französischsprachigen an zweiter Stelle.

Herzliche Gratulation, liebe Wikipedia. Und merci, dass du uns gezeigt hast, zu was Wikis taugen. Wir technisch Unbedarften mussten uns früher aufs Lesen von Webseiten beschränken. Wikis hingegen können wir einfach und schnell bearbeiten – wikiwiki, wie die Hawaiianer sagen. Das machen wir gerne. Auf Wikibooks schreiben wir nun Lehrmittel, auf Wiktionary Wörterbücher. Wir sammeln auf Wikiquote Zitate, auf Wikisource Quellentexte. Wir treiben auf Wikispecies alle Lebewesen zusammen. Und auf Wikinews haben wir eine Nachrichtenagentur gegründet.

Wiki, Wiki – es gibt tausende weitere. Einige füllen sich rasant. Einige dümpeln leer vor sich hin. Es gibt Wikis zu Technikthemen, Wikis mit Koch-Rezepten. Es gibt Wikis für Perry-Rhodan-Fans, für Pferdenärrinnen, Zug- und Spassvögel . Neulingen sei eine Reise im Wiki-Tourbus empfohlen, Abfahrt etwa bei der Haltestelle der Jubilarin Wikipedia.

Herzliche Gratulation, liebe Wikipedia. Und merci, dass du uns diese Wiki-Welt gezeigt hast.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 23. Februar 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Weblog: Funken und kabeln

Hersteller, Händler und Journalisten ellbögeln vor den Vitrinen. Am 3GSM World Congress herrscht ein grosses Gedränge. So turbulent stellt sich der Berner Zeitungsblogger die Mobilfunkmesse in Cannes vor, die gerade begonnen hat. Er versteht die Ellbögler: Wer möchte nicht einen Blick auf die Geräte erhaschen, auf die wir so lange gewartet haben – auf die Handys, in denen ein halber Computer steckt und mit denen man auch fotografieren und filmen kann, oder auf die Walkman-Mobiltelefone, mit denen man Musik direkt im Online-Shop kaufen kann? Bloss tanzen, stellt sich der Zeitungsblogger vor, das kann man zur Musik nicht – nicht in diesem Gedränge. Gut, dass die Mobilfunkmesse nächstes Jahr nach Barcelona
zügelt. Das gibt ihr mehr Luft.

Aber eigentlich ist dem Weblinks-Schreiber Fernsehen per Handy zu teuer. Sogar ein längeres Telefonat reut ihn. Er weiss: Im Festnetz kabelt er günstiger. Noch günstiger telefonierte er etwa mit Cablecom, Econostream oder E-Fon über eine Datenleitung. Wie das funktioniert liest er auf internettelefon.ch. Gar keine Grundgebühr bezahlte er als Kunde von Nikotel und Sipgate. Dort erhielte er aber eine deutsche Telefonnummer. Das lässt ihn zuwarten.

Stattdessen lädt er das Programm Skype herunter. Damit kann er gratis von Rechner zu Rechner kabeln, und bei internationalen Anrufen zu günstigen Tarifen. Nur: Kabeln am PC, das ist etwas umständlich. Dem stimmt Rasmus zu, den der Blogger neulich getroffen hat. Rasmus weibelte fürs Dual-Phone. Dasimportiere er nun in die Schweiz. Und mit dem könne man übers Telefonnetz und per Skype telefonieren. Siemens etwa hat ähnliche Geräte. Der Blogger überlegt es sich.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 16. Februar 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Der hungrige iPod

Der iPod ist hungrig. Er muss gefüttert werden. Bloss: Mit was? Er hat alles verschlungen, was in der CD-Sammlung lagerte. Und Neues zu kaufen ist schwierig: Kaum ein Schweizer Online-Shop bietet Musik feil, die dem iPod mundet. Dieser schluckt nämlich das Konkurrenzformat nicht. Zum Glück gibts Podcasts. Podcasting — das ist wie Radio aus dem Archiv: Sendungen werden als MP3-Datei auf den Computer oder den Musikplayer geladen. Podcasts — das sind Jekami-Radioshows, vertonte Weblogs gewissermassen. Podcasting — das ist einer der Trends im Netz.

Des Podcastings Vater ist MTV-Moderator Adam Curry. Er hörte oft Radio übers Internet. Er störte sich aber daran, dass er jede Datei einzeln herunterladen und auf seinen Musikplayer kopieren musste. Deshalb automatisierte er dies mit einem Computerprogramm. Andere werkelten am Code weiter. Heute ist «iPodder», erhältlich auf www.ipodder.org, das beliebteste Programm in der wirklichen Privatradio-Szene.

Ein Stimmengewirr hallt durch den virtuellen Äther — eine Herausforderung, daraus die Interessanten herauszufiltern. Ein guter Startpunkt für Jung-Podcaster ist www.ipodfun.de. Dort werden Podcasts bewertet. Infos und Verzeichnisse gibts auch auf www.podcast.de, www.podcasten.net, germanpodcast.wikicities.com, www.podcast.net — und aus einheimischer Küche auf audioblog.starfrosch.ch. Also: Zeit nehmen und nach Delikatessen fischen, damit der iPod garantiert nie mehr Hunger leiden muss.


Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime. Der oben stehende Text wurde am 9. Februar 2005 in der Berner Zeitung sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Vorschau auf die Lots-Tagung

Nächste Woche findet in Bern die Lots-Tagung statt. Als Vorschau habe ich für den Bund „Geld & Konsum“ in der Berner Zeitung vom 10. Februar einen Artikel zu Freeware und Opensource-Software geschrieben. Die verlinkte Version gibts bei Espace.ch. Gerne hätte ich mehr Programme vorgestellt. Mehr hatten aber nicht Platz. Ich freue mich aber über Hinweise zu interessanten Opensource-Projekten – vielleicht gibts ja wieder einmal einen Artikel zu schreiben…

Weblog: Der falsche Link

Sie sieht fast aus wie die richtige. Die Website unter www.gatt.org ist aber bloss eine Parodie, geschaffen von der Aktivistengruppe Yes Men. Der offizielle Auftritt der Welthandelsorganisation befindet sich unter www.wto.org. Einige haben die feinen Unterschiede zwischen den beiden Sites nicht entdeckt – und die vermeintlichen WTO-Vertreter zu Konferenzen und Interviews geladen. Das dokumentieren drei Filmer in «The Yes Men», und die Aktivisten selbst unter www.theyesmen.org. Dort wird klar: Der WTO-Coup war nicht der letzte Streich, und auch nicht der erste: Die Yes Men hatten auf www.gwbush.com bereits Wahlkampf gegen George W. Bush geführt. Und jüngst haben sie auf www.dowethics.com im Namen von Dow Chemical die Verantwortung für den Unfall im indischen Bhopal übernommen.

Mancher Link führt nicht dorthin, wo er hinzuführen scheint. Das weiss fast jedes Kind, das weiss fast jeder Legastheniker – ihnen offenbart das Web oft düstere Seiten. Doch nicht nur ihnen: Wie etwa findet man die Website der Regierung der USA? Man tippt www.whitehouse.org – und landet auf einer Satiresite. Auch bei www.whitehouse.net handelt es sich um eine Parodie. Wer www.whitehouse.info eingibt, landet beim Immobilienhändler, bei www.whitehouse.de auch. Wer www.whitehouse.com tippt, findet sich auf einer Platzhalterseite wieder, auf der dereinst «something big» zu liegen kommen werde. Unter dieser Adresse hatten sich bis vor kurzem noch nackte Frauen geräkelt. Nachdem sie im Parlament für rote Köpfe und ein neues Gesetz gesorgt hatten, sind sie nun abgezogen worden. Ach ja, die offizielle Site… Sie steht unter www.whitehouse.gov.

Sie sah aus wie die richtige. Hätte John Duncan gewusst, wie man nachguckt, wer hinter einer Website steckt – er hätte sich diese Peinlichkeit ersparen können. Er hätte bloss im Verzeichnis von Internic nachschlagen müssen. Dann hätte er sich damals an der Plenarsitzung kaum nach den Konsequenzen der Auflösung der WTO erkundigt. Dann hätte er gewusst, wer hinter der Meldung steckte: Es waren wieder die Yes Men.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 2. Februar 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.