Vor 10 Jahren: "Ich war Lehrer"

Noch während der Rekrutenschule blickte ich in einem Artikel für das „Megazin“, die Schülerzeitung des Seminars Hofwil, zurück auf meinen Werdegang zum Lehrer.

Von Provokateuren und Schockierten

„Ich war Lehrer“, pflege ich zu antworten. Man versucht dann jeweils mit erstaunt geöffneten oder fragend zusammen gekniffenen Augen meinen Gesichtsausdruck zu ergründen, scheitert aber an der unbeweglichen Fassade meines ernsten Gesichtes. Der Kehlkopf senkt sich, um unverzüglich wieder hoch zu schnellen. „Weshalb: ‚war Lehrer‘?“

Leicht benommen hielt ich den Hörer noch immer in der Hand, als bereits das Besetztzeichen ertönte. Langsam hängte ich ihn wieder ein und rappelte mich auf. Ich liess den Abend nochmals Revue passieren, ärgerte mich ob meinen Fehlern. „Nun bin ich Lehrer“, dachte ich und sagte es kurz darauf meinen Eltern. In jener kalten Frühsommernacht hatte ich den Bescheid erhalten, die Schulkommission von W. hätte mich im Anschluss an das Vorstellungsgespräch und nach eingehender Diskussion gewählt. „Nun bin ich Lehrer“, dachte ich.

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Was ich anzog, wählte ich genau aus: das T-Shirt mit dem farbigen Motiv, das gut zu der Vorstellung meiner Hobbys passte, die schwarzen Jeans, die gepflegter aussahen als die verwaschenen blauen. Die letzte Nacht hatte ich kaum geschlafen. Ich war angespannt, als ich am Montag mit der Klasse zu arbeiten begann. „Nun bin ich Lehrer“, dachte ich.

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Angestellt war ich zwar als Lehrer. Dass ich aber noch nicht Lehrer war, merkte ich bald. Bislang war ich zum Beispiel dem Rauchen relativ tolerant gegenüber gestanden. Nun hätte ich mich plötzlich entsetzt zeigen und repressiv reagieren müssen. Die Schülerinnen und Schüler wollten durch ihr Rauchen provozieren, wurde mir gesagt. Als Lehrer muss ich mich provozieren lassen, begriff ich mit der Zeit.

Denn: Begehrt niemand auf, können Provokationen immer stärker und extremer werden und schwerwiegende Folgen haben. Als Lehrer muss ich Grenzen setzen. Viele Kinder scheinen in einer Zeit, in der gesellschaftliche Normen mehr und mehr verschwinden, vermehrt wieder „Leitplanken“ zu brauchen. Der Lehrer setzt zusammen mit den Eltern und der Schule diese Leitplanken. Entsprechend bedeutet Lehrer zu sein nicht bloss, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten; die Vermittlung von Wissen allein macht den Lehrer nicht aus. Lehrer zu sein bedeutet häufig auch zu erziehen. Der Lehrer darf nicht bloss „Lernpartner“, sondern muss auch „Konfliktpartner“ für die Kinder sein.

Der Junglehrer hat sich innerhalb weniger Wochen (den Sommerferien nämlich) von der Rolle des Schülers loszusagen und in die Rolle des „Konfliktpartners“ zu schlüpfen. Innerhalb kürzester Zeit vom Provokateur zum Schockierten, vom Schüler zum Lehrer zu werden, ist ausserordentlich schwierig.

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Ich war kein Lehrer. Es war nicht diese neblige Frühsommernacht, die mich zum Lehrer machte; zum Lehrer wurde ich erst viel später. Diese Nacht hat nichts verändert. Sie hat bloss den Anstoss zu Veränderungen gegeben. Mir wurde damals bestätigt, dass ich Lehrer werden könnte. Auch am ersten Schultag war ich noch nicht Lehrer. Während der Sommerferien fehlten mir Zeit und Gelegenheit, Lehrer zu werden. Doch gegen Ende meiner Anstellung hatte ich immer stärker das Gefühl, Lehrer zu sein.

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Heute bin ich nicht mehr Lehrer. Die halbjährige Stellvertretung ist abgeschlossen. Ich bin Rekrut – wieder in der Rolle des Schülers und Provokateurs -, sehe wie meinen Vorgesetzten gelehrt wird, was ich gelernt habe und amüsiere mich insgeheim ob der simplen Tricks der vaterländischen Pädagogik.

Schnee im Frühling

Mein Blog sei wohl iigfrore, sagt er. Nein, kontere ich – und veröffentliche schleunigst einen Eintrag. Er ist bloss kurz:

Schneetreiben vor dem Bundeshaus

So winterlich wie am Frühlingsfest war es dieses Jahr fast nie.

(Was ich nicht bedacht habe: Dieser Eintrag ist eine Steilvorlage für ihn, der diese Site auch schon „einen Wetter-Blog“ geschimpft hat.)

Zu viel altes Papier

Es ist geschafft: Das Altpapier ist gebündelt. Es war dringend nötig, denn trotz unseres praktischen Kalenders hatte ich die Entsorgung zwei, drei Mal verpasst.

Viel altes Papier, sauber gebündelt

Schätzungsweise einen Fünftel des Altpapiers könnte ich einsparen, wenn ich den Anzeiger abbestellte, sinnierte ich, als ich die Bündel schnürte. Doch das Abbestellen des nicht Bestellten ist kompliziert geworden: Während früher ein einfacher Vermerk am Briefkasten genügte, muss man den Verzicht heute offenbar per schriftlicher Mitteilung kundtun, wie er schön zusammen gestellt hat.

Ich drucke das von „Ensuite“ bereit gestellte Formular aus, überlege es mir dann aber doch anders. Ich würdige in den nächsten Wochen zuerst noch den beigelegten Veranstaltungskalender. Das Verzichtsformular bewahre ich bis dahin auf.

Fast ein bisschen Ferien

Das war ein Glückstreffer: Schöner hätten die drei Tage, die wir in der Ferienwohnung an der Lenk verbracht haben, nicht sein können. Die Sonne schien, die Temperatur war mild, der Schnee noch nicht allzu faul. Trotzdem: Es wird Zeit, dass es wieder kälter wird und neuer Schnee die Grasflecken und Steine zudeckt. Der Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen: In diesen Minuten beginnt der Wind um die Hausecke zu pfeifen.

Stiebende Abfahrt mit 368.2 Stundenkilometern


Größere Kartenansicht

Gestern waren wir auf den Skis. Knapp 50 Kilometer sind wir mit einer Halbtageskarte (46 Franken) gebolzt. Das ergibt einen Kilometerpreis von 92 Rappen. Wir werden versuchen, den Preis nächstes Mal noch etwas zu drücken – indem wir zu Beginn keine wertvollen Minuten verschenken und indem wir mehr Tempo machen. Apropos: Die Höchstgeschwindigkeit betrug schätzungsweise 70 Stundenkilometer; bei den angezeigten 368.2 Stundenkilometer tippe ich mal eher auf einen Fehler des GPS-Geräts…

Geschwindigkeitsprofil vom Skitag

P.s.: Da er tat, musste ich auch nochmals. 😉

Blue Lips Club

Wir hatten uns sehr auf das Konzert gefreut: An einem Sonntag im Dezember wollten wir Mina im Blue Note Club in Biel hören gehen. Zwar waren laut der Website bloss noch Stehplätze zu haben – offenbar zum selben Preis wie die Sitzplätze. Doch egal, wir wollten Mina hören, reservierten wie geheissen per Nachricht auf dem Telefonanrufbeantworter und freuten uns sehr.

Am betreffenden Sonntag stiegen wir um 19.12 Uhr in den Zug, fuhren nach Biel und marschierten schnurstracks zum Konzertlokal. Vor dem Club hatte sich bereits eine Schlange gebildet. Um 19.50 Uhr stellten wir uns hinten an. Bald schon begannen wir an diesem zugigen Abend bei Temperaturen unter Null Grad zu frieren. Wir warteten und warteten. Sollte die Türe nicht seit 19.30 Uhr geöffnet sein? Sie war es, stellten wir 10 Minuten später fest. Am Kopf der Schlange, die nicht etwa bis direkt vor die Tür sondern rund zehn Meter weniger weit reichte – also gerade nicht bis in den Windschatten des Gebäudes -, an diesem Kopf der Schlange stand ein Angestellter in einer dicken wollenen Jacke. In seinen Handschuhen hielt er eine mehrseitige Namensliste. Er fragte die vordersten Leute nach ihren Namen, prüfte jeden genau, liess dann die betreffenden Leute passieren, hängte die Absperrkordel wieder ein, fragte nach dem nächsten Namen, prüfte auf seiner Liste, schritt zum Eingang – wohl um nachzusehen, ob die Vorgänger bereits bezahlen konnten -, kam dann zurück und liess die nächsten zwei, drei Leute passieren. So kriegte er pro fünf Minuten schätzungsweise drei Leute an die Wärme.

Wir warteten und warteten. Nach rund einer halben Stunde an der Kälte standen wir schliesslich schlotternd vor dem Pförtner. Er fragte nach dem Namen, überflog kurz die Zettel in seinen Händen – und schickte uns weg. Wir stünden nicht auf der Liste, bescherte er uns. Wir erklärten ihm, dass wir vor zwei Tagen per Telefon reserviert hatten. Es half nichts. Wir müssten halt warten und schauen, ob noch zwei Plätze übrig blieben, sagte er. Die Schlange reichte mittlerweile über den halben Platz.

Wir warteten – zusammen mit einigen Anderen: Auch bei ihnen hat die Reservation offenbar nicht geklappt. Wie weitere Besucher erzählten, bestätigt der Club Online- und Telefonreservationen nicht. Und offenbar geht bei diesem dilettantischen Reservationssystem auch die eine oder andere Anmeldung verloren. Knapp zehn eisige Minuten und ein kleines Wortgefecht mit dem Pförtner später marschierten wir enttäuscht davon und versuchten uns mit einer heissen Schokolade im Rotonde zu wärmen und zu trösten.

Zwei Tage später legte mich eine starke Erkältung fast lahm. Mina habe ich seither nicht mehr gehört. Und im Blue Notes Club buche ich nie mehr.

P.s.: Andere sind offenbar hinein gekommen.

P.p.s: Mein Vorsatz fürs nächste Jahr? Ich warte nicht mehr 14-Tage, bis ich endlich blogge…

Abfall

Abfall am Strassenrand

Am Strassenrand lag heute viel Abfall. Kein Wunder: Die letzte Kehrichtabfuhr war vor einer Woche. Und die nächste wird erst in einer Woche kommen, also bereits im neuen Jahr. Dann werden die alten Marken nicht mehr gültig sein und wir werden für unseren Abfall definitiv mehr bezahlen. Glücklicherweise habe ich mein Ghüder-Marken-Vorrätchen noch früh genug wieder gefunden. Und so konnte ich heute den letzten Sack mit einer der alten Marken bekleben. (Jawohl, es ist der pralle Kleine ganz vorne.)

Apropos Abfall: Die Entsorger der Stadt Bern bietet leider – trotz Gebührenerhöhung – noch immer keinen Abfallkalender in einem Format für die digitale Agenda an. Einzig per SMS kann man sich auf die kommende Abfuhr hinweisen lassen – gegen zusätzliches Entgelt. Ich habe mich schon fast selbst ans Eintippen gemacht. Dann erst habe ich festgestellt, dass Habi nun glücklicherweise in den gleichen Abfallkreis gezogen ist. Er hat die Daten der Papiersammlungen für den Kreis B1 bereits eingetippt. Merci vielmal.

Mein Tannenbaum

Mein Tannenbaum

Am Heiligen Abend waren wir wieder im Wald. Meine Tanne, die ich am Anfang des Lehrerseminars gesät und dann zu lange im Topf dahin vegetieren gelassen hatte, hat sich in diesem Jahr prächtig entwickelt. Mit Biecht an den Nadeln und mit nichts als Kerzen geschmückt war sie ein besonders schöner Weihnachtsbaum.