Weblog: Die Retourkutsche

Irgend etwas ist dazwischen gekommen. Vielleicht hat damals jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen – gerade, als der Berner Zeitungsblogger dem Banknachbarn ins Wort fallen wollte. Eine geschlagene Viertelstunde lang hatte dieser zuvor über Google referiert. Er hatte die «schnellste Suchmaschine» gepriesen, den «effizentesten E-Mail-Dienst», den «coolsten Weltatlas». Wie er die Firma kenne, werde auch der neue Talk-Dienst genial sein. Der Zeitungsblogger liess den Superlativ-Hagel vorbeiziehen. Dann gedachte er zu kontern.

Besonders innovativ sei die neue Software Google Talk nicht, hätte der Zeitungsblogger dem Banknachbarn entgegengehalten. Telefonieren und Sofortmitteilungen verschicken, das könne er auch mit den Programmen Skype und Gizmo. Versöhnlich hätte er hinzugefügt, dass Google wenigstens auf freie Standards setze – anders als Skype. Dann aber hätte er zum Rundumschlag angesetzt: Wer mit Google talken wolle, müsse mit Google e-mailen. Und das widerstrebe ihm. Er vertraue ungern alles einer Firma an, so gut ihre Dienste auch sein mögen. Vor Jahren habe die Firma das Usenet-Archiv gekauft, später die Bildsoftware Picasa und einen Weblog-Anbieter. Ein Google-Mitarbeiter kriege mit Orkut von den Nutzern private Daten zugesteckt. Und Google raffe in Bibliotheken Wissen zusammen. Google baue an einem Wissensimperium, hätte sich der Zeitungsblogger in Rage geredet. Das lasse selbst Microsoft-Chef Steve Ballmer erbeben: Als wieder einer der seinen zu Google gewechselt habe, habe er deftig geflucht und dem Büroinventar das Fliegen beigebracht. Das alles hätte er in einem Wortschwall gesagt. Und dann hätte er angefügt: Fürs Verschicken von Sofortnachrichten ziehe er die Programme Gaim, Miranda oder Sim vor.

Aber eben: Irgend etwas ist damals dazwischen gekommen. Vielleicht hat jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen. Der Zeitungsblogger hat jedenfalls nichts gesagt. Dafür, lieber Banknachbar, hast du es jetzt schwarz auf weiss.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 7. September 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Kein "Weblog"

Eigentlich wollte der Berner Zeitungsblogger über Google Talk und Sofortmitteilungen bloggen. Er wollte loben, dass Google auf den Jabber-Standard statt auf ein proprietäres Format setzt. Er wollte aber auch darauf hinweisen, dass „Google Talk“ kaum etwas bringt, was die anderen Programme nicht auch können.

Das liege diese Woche nicht drin, bescherte ihm dann aber der zuständige Redaktor etwas zerknirrscht. Aus technischen Gründen sei die dritte Seite im Bund Showtime kurzfristig gestrichen werden. Deshalb sei hier kurz mitgeteilt: Das nächste „Weblog“ erscheint in einer Woche.

Weblog: Der Fisch im Garten

Eigentlich wollte er übers Surfen schreiben. Doch dann schwappte die Flut über die Kanalmauer. Der Wasserstrom floss in den Keller, und der elektrische stockte. Der Zeitungsblogger sollte an jenem Tag nicht mehr netzwerken können. Er kam ins Schwimmen. Denn ohne Netz gibts keine Weblogs. Und die Zeit bis zum Abgabetermin verfloss rasch.

Tags darauf im trockenen Büro: Der Zeitungsblogger will wissen, was andere erlebt haben. Er surft zu einem Weblog-Verzeichnis, schmökert in den Schilderungen seiner Mitbloggerinnen und Mitblogger. Ihr Sohn könnte aus seiner Loge in die Aare hechten, schreibt Edithrina Rinaa. «3rd male: 10» sei in der Schule gewesen, als die Aare gekommen ist, schildert 2nd, female: 35. Der Kleine habe seine Sachen packen und zu «den Grossen» hinauf gehen müssen, während die Aare den Raum mit brauner Sosse gefüllt habe. Otto Normal sinniert in Gedichtform, die einen hätten «ein wenig zu viel, die anderen viel zu wenig» Wasser. Leu macht, wie er selbst schreibt, «einen auf Schröder» und nutzt das Hochwasser für seinen «Wahlkampf zum Kulturminister»: Er wettert über die untätigen Behörden. Ghost enerviert sich über einen Feuerwehrmann, der ihm das Knipsen verbieten wollte. Orli zeigt Fotos aus Thun und Bern, und Roland die Überschwemmung von der Brücke aus – und die Gucker darauf.

Der Berner Zeitungsblogger ist ernüchtert: Fotos hat er viele gefunden, Geschichten nur einzelne. Deshalb erzählt er nun eine eigene: Seine Nachbarn beugen sich über die Balkonbrüstung, starren verdattert ins trübe Wasser. Plötzlich rufen sie überrascht aus: «Wir haben einen Fisch im Garten.»

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 24. August 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Arbeitslog: Die epochale Explosion

Potsdam vor gut 60 Jahren: Die Staatschefs der USA, Grossbritanniens und Russlands feilschen um die Aufteilung Europas. Und sie diskutieren über die Reparationszahlungen, die sie von den unterlegenen Deutschen einfordern wollen. Die Verhandlungen sind zäh. Josef Stalin will – anders als Harry S. Truman und Winston Churchill – hohe Reparationszahlungen. Und vor allem: Er fordert die Kontrolle über ein grösseres Gebiet, als die USA und Grossbritannien Russland zugestehen wollen. Derweil dauert der Krieg in Japan an.

Dann, während der Konferenz, erhält der US-Präsident Harry S. Truman die lange erwartete Nachricht: «Das Baby ist geboren». Oder im Klartext: Die Atombombe ist in der Wüste von New Mexico erfolgreich getestet worden. Damit hat J. Robert Oppenheimer das ehrgeizige Ziel des Manhattan-Projekts erreicht. Dreieinhalb Jahre nachdem der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt das Waffenprogramm forciert hat, sind die ersten Bomben einsatzbereit. Über 130 000 Menschen haben im streng geheimen Manhattan-Projekt mitgearbeitet; bloss einzelne kannten dessen Ziel. Roosevelt hat nicht einmal seinen Vizepräsidenten eingeweiht. Erst nach der improvisierten Inauguration nach Roosevelts plötzlichem Tod ist Truman über die neuartige Bombe informiert worden. Und nun muss er bereits über ihren Einsatz entscheiden.

Drei Wochen später, am 6. August 1945, wirft der Bomber Enola Gay die Atombombe «Little Boy» über der japanischen Stadt Hiroshima ab. «Die Welt wird zur Kenntnis nehmen, dass die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde, einer Militärbasis», sagt Truman – eben per Schiff in die USA heimgekehrt – drei Tage darauf in einer Radioansprache. Wenn sich Japan nicht ergebe, würden mehr derartige Bomben eingesetzt. Fast gleichzeitig detoniert die zweite Atombombe «Fat Man» – da in Kokura die Sichtverhältnisse zu schlecht waren über dem alternativen Ziel Nagasaki. Wenige Tage nach den Bombardements und dem fast zeitgleichen Einmarsch der Sowjetarmee in die Mandschurei endet der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans.

Die Entscheidung
«Die letzte Entscheidung, wo und wann die Atombombe einzusetzen war, lag bei mir», stellt Truman in seinen Memoiren klar: «Ich hielt die Atombombe für ein Kampfmittel und zweifelte nie daran, dass es eingesetzt werden müsse.» Seine höchsten militärischen Berater hätten ihm den Abwurf empfohlen, und auch Churchill habe ohne Zögern zugestimmt.

In seinen umfangreichen Memoiren beschreibt Truman nur bruchstückhaft, wie er den Entscheid gefällt hat. Er erwähnt die Erwägungen des Beraterausschusses unter Kriegsminister Henry L. Stimson: Das so genannte «Interim Committee» hat empfohlen, die Atombombe baldmöglichst und ohne Vorwarnung in Japan einzusetzen. Truman erwähnt jedoch nicht, ob er auch die Kritiker angehört hat.

Der Einsatz der neuen Bombe war selbst bei den Projektmitarbeitern umstritten. Ein engagierter Kritiker war der Physiker Leo Szilard, einer der Initianten des Manhattan-Projekts. Er warnte in einer Denkschrift vor einem atomaren Wettrüsten. Roosevelt verstarb aber, bevor Szilard ihm das Dokument zuspielen konnte. Truman erreichte er nicht. Im Gespräch mit dem designierten Staatssekretär James Byrnes – dem engsten Berater Trumans – stiess er auf Unverständnis. Szilard schrieb auch am Franck-Report mit, in dem sieben Politiker und Wissenschafter eine Demonstrationsexplosion forderten. Und er riet gemeinsam mit über 60 am Manhattan-Projekt beteiligten Wissenschafter in der «Szilard-Petition» vom Einsatz der Bombe in Japan ab. «Hätten die Deutschen die Atombombe auf unsere Städte geworfen», sagte Leo Szilard später in einem Interview, «hätten wir das ein Kriegsverbrechen genannt und die schuldigen Deutschen in Nürnberg zum Tode verurteilt.»

Auch andere standen der Atombombe kritisch gegenüber: Ralph A. Bard, Unterstaatssekretär im Marineministerium und Mitglied der Beratergruppe um Stimson, hat vorgeschlagen, Japan einige Tage vor dem Angriff zu warnen. General George Marshall hat empfohlen, «diese Waffe zuerst gegen ein strikt militärisches Ziel» einzusetzen und den Japanern die Chance zu geben, betroffene Städte zu evakuieren. Und Dwight D. Eisenhower, während des Kriegs Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, hat Präsident Truman und Verteidigungsminister Henry L. Stimson mitgeteilt, dass er den Abwurf der Bombe für militärisch unnötig halte.

Der Atombomben-Mythos
Truman verteidigte zeitlebens seine Entscheidung: Die Abwürfe der beiden Atombomben hätten den Krieg verkürzt, argumentierte er. Damit sei eine US-Invasion in Japan überflüssig geworden. So hätten viele Soldaten vor dem Tod bewahrt werden können.

«Es ist ganz einfach nicht wahr, dass die Atombombe eingesetzt wurde, weil nur so ‹Hunderttausende› oder gar ‹Millionen› von Menschen vor dem Tode bewahrt werden konnten, wie im nachhinein behauptet wurde», schreibt der US-Historiker Gar Alperovitz. Dass sich dieser «Atombomben-Mythos» wider das historische Wissen hartnäckig halte, sei kein Zufall: «Führende Regierungsvertreter» hätten «hart daran gearbeitet» dies die Bevölkerung glauben zu machen.

Es stehe fest, dass es Alternativen zum Einsatz der Atombombe gab, schreibt Alperovitz, «und dass der Präsident und seine Berater dies wussten». Japan habe unmittelbar vor der Kapitulation gestanden: Viele Städte lagen in Schutt und Asche. Die Bevölkerung litt Hunger. Die Achsenmächte waren besiegt. Und der Einmarsch der Sowjetarmee in die Mandschurei stand unmittelbar bevor. Er streicht politische Fehler in der «Kaiserfrage» heraus: Hätte Truman weniger lange auf die «bedingungslose Kapitulation» gepocht und die Zusage, dass der Kaiser im Amt bleiben dürfe, einige Tage früher gemacht, hätte Japan wohl kapituliert. Bis zur geplanten Invasion der US-Truppen im November wäre der Krieg längst zu Ende gewesen – auch ohne die Atombomben. «Man hätte ohne weiteres die Kapitulationsbedingungen ändern und/ oder die Schockwirkung des Angriffs der Russen abwarten können», schreibt Alperovitz.

Doch die Regierung Truman räumte Japan kaum Zeit für Verhandlungen ein. Sie wollte dem Kaiser gegenüber keine Zugeständnisse machen. Und sie wollte das Feld nicht einzig den Russen überlassen. Unter diesen Voraussetzungen hätten tatsächlich bloss zwei militärische Optionen bestanden, so Alperovitz: eine Invasion oder die Atombomben. Damit sei eine «lautlose Dynamik» in Gang gekommen, die in den Abwurf mündete. Eine Diskussion über die Frage, ob die Bombe eingesetzt werden sollte oder nicht, wurde nie konkret geführt.

Streit der Historiker
Jahrzehntelang haben sich Historiker ein erbittertes Wortgefecht um den Einsatz der Atombombe geliefert. Insbesondere während des Kalten Krieges wurde als unpatriotisch gebrandmarkt, wer die Abwürfe hinterfragte. Heute sind sich die Wissenschafter weitgehend einig: Es waren mehrere Faktoren, die zum sofortigen Einsatz der neuen Bombentechnologie geführt haben. Da waren die militärischen Überlegungen. Da waren innenpolitische Gründe: die antijapanische Stimmung in den USA etwa oder die Vorstellung, das waghalsige und teure Projekt erfolgreich zu Ende führen zu müssen. Und da waren nicht zuletzt aussenpolitische und wirtschaftliche Gründe: Die USA wollte mit einer militärischen Machtdemonstration dem russischen Expansionsstreben Einhalt gebieten und das eigene Wirtschafts- und Wertesystem etablieren. So gesehen wäre es politisch mutiger gewesen, die neue Bombe nicht einzusetzen, als ihren Abwurf zu befehlen.

Potsdam vor gut 60 Jahren: Nach Eintreffen der Nachricht vom geglückten Trinity-Test, tritt Truman in den schwierigen Verhandlungen plötzlich viel selbstsicherer auf. Irgendwann nach den Beratungen schlendert er zu Stalin und erwähnt beiläufig, die USA verfügten jetzt über ein neues Kampfmittel von aussergewöhnlicher Zerstörungskraft. Stalin erwidert, es möge mit gutem Nutzen gegen Japan eingesetzt werden, zeigt aber sonst kein Interesse. Truman ahnt nicht, dass Stalin durch Agentenberichte schon gut über das Manhattan-Projekt informiert ist. Sowjetische Wissenschafter arbeiteten intensiv daran, ihren Rückstand in der Nukleartechnologie aufzuholen. Der Kalte Krieg hat bereits begonnen.

Dieser Artikel ist am 6. August 2005 in einer etwas angepassten Form in der Berner Zeitung BZ und auf Espace.ch erschienen. Literatur und Materialien: Gar Alperovitz: Hiroshima, Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe, Hamburg 1995. Weiterführende Links: Dossier des Wissenschaftshistorikers Gene Dannen; Nuclear Files, ein Projekt der Nuclear Age Peace Foundation; Truman Library.

Arbeitslog: Wenn der Computer klingelt

Ausgerechnet: Gerade als ich das Loblied auf die Internettelefonie anstimmen wollte, donnerte in meinem Denkbrett der Lesekopf auf die Platte, dass es nur so klickte. Und so war heute, als der Artikel über Internettelefonie in der BZ erschienen ist, This unter seiner SIP-Telefonnummer nicht erreichbar. Peinlich, peinlich – hoffentlich merkt das niemand.

(Apropos: Die Festplatte habe ich mittlerweile ausgewechselt. Dem Denkbrett habe ich bei dieser Gelegenheit Menschlichkeit und Gemeinsinn verordnet. Und irgendwann bringe ich unter diesem System auch wieder ein SIP-Telefonprogramm zum Laufen.)

Weblog: …und jetzt ab in die Ferien

Bald hat er Ferien. Doch es ist wie immer: Vor dem Plausch hat der Zeitungsblogger einen Heidenstress. Er glaubt die Notizen ganz abtragen zu müssen, die sich auf seinem Pult stapeln. «Monopoly», steht auf dem obersten Zettel. Für Monopoly Live sind in Londoner Taxis GPS-Geräten montiert worden. Hält eines der Cabbies auf einem Feld, verdient dessen imaginärer Besitzer Geld. «Ein amusantes Spielchen für laue Nächte», murmelt der Zeitungsblogger.

Und er greift zum nächsten Zettel. «Einstein», hat er darauf gekritzelt. Wer in der Zeitungsblogger losen Zeit geistiges Futter brauche, tippt er augenzwinkernd, schmökere in den Annalen der Physik. In der alten Fachzeitschrift stehen 49 Artikel von Albert Einstein – inklusive jener vier, die er während des «annus mirabilis» in Bern geschrieben hat.

«Guantanamo», ist das nächste Stichwort. Eine Gruppe Freiwilliger ackert in einem Wiki gemeinsam die umfangreichen Protokolle der Befragungen der «feindlichen Kombattanten» auf Guantanamo durch, damit in den Papierbergen keine Hinweise auf allfällige Folterungen verschütt gehen. Apropos Wiki: Eigentlich hätte der Zeitungsblogger auch über Wikitorial schreiben wollen. Doch dann hat die «Los Angeles Times» ihr Projekt, bei dem die Leser einen Leitartikel aus der Zeitung nach ihrem Gusto umschreiben konnten, kurz nach dem Start wieder gestoppt. Einige Dummköpfe hatten dort Pornobilder veröffentlicht – statt sich auf die Debatte um die Fakten, Argumentationen und Wertungen einzulassen.

Zuunterst auf dem Stapel stösst der Zeitungsblogger auf die E-Mail eines umtriebigen Berner Musikus. Er habe mit seinen Starfröschen «etwas gebrutzelt», schreibt dieser darin. Okay, das schrieb er noch, als man gerne in geheizten Stuben tüftelte, muss der Zeitungsblogger nun eingestehen und streut sich Asche übers Haupt, von Nachbars Grill. Dafür rührt er jetzt ganz gewaltig die Werbetrommel: Den Sound für den Sommer gebe es gratis beim Netzlabel Realaudio.ch. Und das «kloine Fläschfroschgame», von dem der Musikus in der E-Mail berichtet, stehe noch immer auf Starfrosch.ch. Geeky, findet es der Zeitungsblogger.

Nun lehnt er sich zufrieden zurück. Er hat erledigt, was zu erledigen war. Er klappt sein Notebook zu, packt sein Bündelchen. Und als der erste Sonnenstrahl den Horizont rötet, entschwindet er dort, auf den Lippen ein munteres Wanderliedchen.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 29. Juni 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com. Die nächste Kolumne erscheint wegen der Sommerpause erst Mitte August.

Arbeitslog: "Hart am Wind, ein Wochenende lang"

Nun gut, vielleicht habe ich etwas dick aufgetragen. Aber ehrlich – auch wenn mir das nach diesen Sommertagen niemand glauben will: Als ich den Surfkurs gemacht habe, hat wirklich eine steife Bise geweht. Und der Himmel war wirklich wolkenverhangen. Ich hätte sogar noch dicker auftragen können. Pseudoromantisch hätte der kleine Sturz vom Surfbrett dann vielleicht so geklungen: „Dunkel hingen die Wolken über der wogenden See sowie sie wieder wankte und sodann fiel, tief als ob in der Hölle Schlund, und ihr Herze darob zu brechen drohte.“ Im BZ-Artikel vom Freitag habe ich mich für etwas zeitgemässere Formulierungen entschieden.

Weblog: Die Balkon-Demo

Dieser Abend könnte gemütlich werden. Der Berner Zeitungsblogger hat es sich auf dem Balkon bequem gemacht, vor sich ein Bier und sein Notebook. An solch lauen Sommerabenden sei nur das beste gut genug, sinniert er – und stöbert in der Gewinnerliste der Webby Awards. An der Preisverleihung anfangs Monat hat der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore einen Webby für sein unentwegtes Werkeln an der Datenautobahn erhalten. Die Fotogemeinschaft Flickr wurde ausgezeichnet, und einmal mehr Google. Die Mitarbeiter von Skype haben einen Webby für ihr Telefontool eingeheimst, die Blogger von Boingboing für ihr «directory of wonderful things». Feuer und Flamme ist der Zeitungsblogger für Book Crossing: Sobald er den Wälzer gelesen habe, der neben seinem Bett Staub ansetzt, werde er ihn – wie auf der Site vorgeschlagen – an einem öffentlichen Ort deponieren, beschliesst er. Wenig anfangen kann er hingegen mit der virtuellen Knochenverteilet auf Dogster. «Braucht auch der letzte Hund eine Homepage?», brummelt er. Schnell surft er weiter. Ausgiebig schmökert er im Videotagebuch des fiktiven US-Soldaten auf Weapons of misdirection, der Gewinner-Site in der Kategorie Politik.

Der Abend könnte ganz gemütlich werden. Doch dann holen die politischen Weblogs, die von den Reportern ohne Grenzen jüngst ausgezeichnet worden sind, den Zeitungsblogger auf den harten Boden der Realität zurück. Er liest in Press Think aus den USA und in Jeff Oois Kommentaren zur malayischen Politik, klickt sich durch ICT-Lex aus Italien, Shared Pains zu Afghanistan und Al Jinane zu Marokko. Er liest, dass Mojtaba Saminejad, Gewinner der Kategorie Iran, wegen seiner politischen Aussagen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. Bei Netzpolitik, Gewinner der Kategorie International, informiert er sich über die weitgehenden Softwarepatente, die Europa durchgepeitschen will.

Solche Patente passen ihm nicht. Der Zeitungsblogger will protestieren. Und so steht er plötzlich mitten in einer turbulenten, virtuellen Demo – an diesem lauen Sommerabend, der eigentlich so gemütlich begonnen hat.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 22. Juni 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.

Weblog: Im Reisefieber

Er war bienenfleissig, hat emsig Überstunden gesammelt. Demnächst hat der Berner Zeitungsblogger endlich Zeit für Ferien. Längst hat er einige abgefahrene Ideen ausgeheckt: Er könnte sich eine Kamera umhängen, sich ein GPS-Gerät borgen – und für Confluence.org dort fotografieren gehen, wo sich Längen- und Breitengrade kreuzen. Er könnte in GeoSpielen bestimmten Koordinaten nachjagen. Er könnte das GPS-Gerät mit Wanderrouten füttern und sich auf die Sohlen machen. Oder aber: Er könnte die Schweiz zu Fuss queren, wie die Wandersite.ch vorschlägt, dabei den Fabriken, Berghotels, Bädern nachsteigen, die ihm der Heimatschutz ans Herz legt. Er könnte in Hotels nächtigen, die andere Reisende empfohlen haben.

Eigentlich ginge er aber gerne wieder einmal auf grosse Reise, sinniert der Berner Zeitungsblogger, als er sich durch die Reiseberichte auf Pervan.de klickt, und durch jene auf dem englischsprachigen Pendant Virtualtourist.com. Das Reisefieber packt ihn definitiv, als er in den Beschreibungen auf Wikitravel.org stöbert, dem Reiseführer, an dem alle mitschreiben können.

Teuer dürften die Ferien aber nicht werden, beschliesst er mit Blick auf seine hart erbloggten Batzen. Er könnte bei Mitgliedern des Hospitalityclub.org nachfragen, ob sie ihn auf seiner Rundreise beherbergen würden. Er könnte mit den Click & Rail-Tickets fahren, oder er könnte AutoStopp machen.

Solch abenteuerliche Pläne hatte der Berner Zeitungsblogger geschmiedet – bis der Marschbefehl eingetrudelt ist. Im Reisefieber hatte er ganz verdrängt: Im Sommer muss er in die «grünen Ferien», oder besser: in den grauen Bunker. Für grosse Reisen reicht es nicht. So beschliesst er, die restlichen Sonnentage an und in der Aare zu zelebrieren – und dank des AareschwummindexÂ’ keinen einzigen zu verpassen.

Meine Kolumne Weblog erscheint wöchentlich im Bund Showtime der Berner Zeitung. Der oben stehende Text wurde am 15. Juni 2005 in der BZ sowie auf Espace.ch veröffentlicht. Einige Tage nach der Publikation erscheinen die Weblogs jeweils hier auf borniert.com.